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FIW-Jahresgutachten 2026: Energiepreisschock und Handelskonflikte bremsen Österreichs Außenwirtschaft

Die österreichische Außenwirtschaft stand im Jahr 2025 unter erheblichem Druck. Die Warenexporte gingen real um 1,1% zurück, während die Importe um 4,8% zunahmen. Dadurch verschlechterte sich die Warenhandelsbilanz deutlich und wies ein Defizit von 6,6 Mrd. € bzw. rund 1,3 % in Relation zum nominellen Bruttoinlandsprodukt auf. Für 2026 und 2027 erwartet das FIW zwar eine moderate Erholung der Exporte, die Risiken infolge geopolitischer Spannungen, steigender Energiepreise und handelspolitischer Unsicherheiten bleiben jedoch hoch.

Der „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW) veröffentlichte am Mittwoch, 19. Mai 2026, sein siebtes Jahresgutachten zur „Lage der österreichischen Außenwirtschaft“. Das Gutachten analysiert die internationalen Rahmenbedingungen und enthält eine kurzfristige Prognose der österreichischen Außenhandelsentwicklung für die Jahre 2026 und 2027. Erstmals widmet sich die Studie zudem ausführlich den monetären Außenwirtschaftsbeziehungen sowie den mittelfristigen Veränderungen im globalen Handelssystem.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Analyse stehen die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Spannungen – insbesondere die protektionistische Handelspolitik der USA, der Krieg in Nahen Osten und der daraus resultierende Energiepreisschock.

Exporte rückläufig, Importe deutlich gestiegen

Die österreichischen Warenexporte entwickelten sich 2025 schwach und gingen nominell um 0,5% zurück. Ausschlaggebend waren vor allem die schwache Nachfrage aus wichtigen Absatzmärkten wie Deutschland und dem übrigen Euro-Raum, insbesondere bei Investitionsgütern, sowie zunehmende geo- und handelspolitische Unsicherheiten. Zusätzlich belastete der verschärfte internationale Wettbewerb, u. a. durch China, die Exportentwicklung. Gegen Jahresende zeigten sich zwar erste Anzeichen einer Stabilisierung, diese reichten jedoch nicht aus, um den Rückgang im Gesamtjahr auszugleichen.

Die Warenimporte entwickelten sich hingegen deutlich dynamischer und stiegen real um 4,8%. Wachstumstreiber waren insbesondere die Erholung der Ausrüstungsinvestitionen und die heimische Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern, insbesondere Pkw-Einfuhren sowie pharmazeutische Produkte und Edelmetalle. Besonders kräftige Zuwächse verzeichneten die Importe aus der Schweiz und China.

Infolge der gegenläufigen Entwicklung von Exporten und Importen verschlechterte sich die Warenhandelsbilanz deutlich. Das Handelsbilanzdefizit belief sich 2025 auf 6,6 Mrd. €. Negative Mengeneffekte konnten dabei nur teilweise durch günstige Terms-of-Trade-Effekte ausgeglichen werden.

Verhaltener Ausblick für 2026 und 2027

Für die Jahre 2026 und 2027 prognostiziert das FIW eine nur schrittweise Erholung der österreichischen Außenwirtschaft. Im Hauptszenario dürften die realen Exporte (Waren- und Dienstleistungen) 2026 um 1,5% und 2027 um 2,2% wachsen. Die Warenimporte werden mit 1,0% im Jahr 2026 und 2,0% im Jahr 2027 ebenfalls nur moderat zulegen.

Die Prognose ist jedoch mit hoher Unsicherheit behaftet. Wesentliche Risikofaktoren bleiben die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges, steigende Preise für fossile Energieträge, Belastungen globaler Lieferketten sowie die zunehmende Unsicherheit bei Investitions- und Konsumentscheidungen.

Vor diesem Hintergrund unterscheidet das Gutachten zwischen einem Hauptszenario und einem pessimistischen Alternativszenario. Die zentrale Annahme betrifft die Entwicklung der Energiepreise, insbesondere für Rohöl und Erdgas. Diese hängt maßgeblich davon ab, wie stark die globale Energieversorgung durch Einschränkungen in der Straße von Hormus oder durch zerstörte Produktionskapazitäten im Nahen Osten beeinträchtigt wird.

Im Hauptszenario geht das FIW von einem Rohölpreis von 88 $ je Barrel (Sorte Brent) im Jahr 2026 und 76 $ im Jahr 2027 aus. Die Erdgaspreise dürften bei 49 € je MWh im Jahr 2026 und 37 € im Jahr 2027 liegen. Im pessimistischen Szenario wird hingegen ein deutlich stärkerer und länger anhaltender Energiepreisanstieg unterstellt. In diesem Fall würde der Rohölpreis 2026 auf 106 $ je Barrel steigen und 2027 bei 80 $ liegen. Die Erdgaspreise würden 2026 auf 64 € je MWh und 2027 auf 58 € steigen.

Die Auswirkungen des pessimistischen Szenarios auf die Außenwirtschaft sind erheblich: Das Wachstum der realen Exporte würde 2026 lediglich 0,3% und 2027 nur 1,1% betragen. Die Importe könnten 2026 sogar leicht zurückgehen, bevor sie 2027 wieder moderat zulegen. Gleichzeitig würde sich die Handelsbilanz unter dem Druck höherer Energiepreise deutlich stärker verschlechtern.

Schwächeres internationales Umfeld

Auch das internationale Umfeld bleibt herausfordernd. Die Weltwirtschaft wuchs 2025 real um 3,4%, für 2026 und 2027 wird jedoch mit einer leichten Abschwächung auf 3,1% bzw. 3,2% gerechnet. Während die Wirtschaft in den USA vergleichsweise dynamisch wächst, bleiben die Europäische Union und insbesondere Deutschland als wichtigste Absatzmärkte Österreichs deutlich zurück. Für den Welthandel wird nach einem kräftigen Anstieg im Jahr 2025 ebenfalls eine Abschwächung erwartet.

Geldpolitik und strukturelle Veränderungen im Fokus

Erstmals analysiert das Jahresgutachten auch ausführlich monetäre Außenwirtschaftsbeziehungen. Im Mittelpunkt stehen die Inflationsentwicklung, geldpolitische Strategien und Wechselkursdynamiken in den wichtigsten Volkswirtschaften.

Die geldpolitische Lage war 2025 von rückläufiger Inflation, moderatem Wirtschaftswachstum und anhaltenden geoökonomischen Unsicherheiten geprägt. Mit dem Energiepreisschock infolge des Iran-Krieges rückte die Geldpolitik Anfang 2026 erneut stärker in den Fokus.

Für Österreich zeigt sich beim real-effektiven Wechselkurs auf Basis der Lohnstückkosten eine geringere Aufwertung als im Durchschnitt des Euro-Raumes. Dies deutet auf eine leichte Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit hin, relativiert sich jedoch angesichts der starken inflationsbedingten Aufwertung in den Vorjahren.

Darüber hinaus beleuchtet das Gutachten die mittelfristigen Veränderungen im globalen Handelssystem. Im Zentrum stehen die steigende handelspolitische Unsicherheit, zunehmende protektionistische Maßnahmen und die strukturellen Folgen geopolitischer Konflikte für die internationale Arbeitsteilung.

Diese Entwicklungen fördern eine Reorganisation globaler Lieferketten im Sinne des „Friend­shoring“ und verstärken die Blockbildung im Welthandel. Für die Europäische Union stellt sich damit zunehmend die Frage, wie wirtschaftliche Offenheit, Versorgungssicherheit und strate­gische Resilienz künftig besser miteinander verbunden werden können.

Diversifizierung und Resilienz gewinnen an Bedeutung

Die aktuellen Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung einer aktiven Strategie zur Risikoreduktion auf europäischer und nationaler Ebene. Im Mittelpunkt stehen dabei die Diversifizierung von Liefer- und Absatzmärkten, die Vertiefung von Handelsbeziehungen mit regelorientierten Partner:innen, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie resilientere internationale Lieferketten.

Die jüngsten Energiepreisschocks und die zunehmende Fragmentierung des Welthandels zeigen, wie wichtig es ist, strukturelle Abhängigkeiten frühzeitig zu verringern. Ergänzend empfiehlt das FIW eine breit angelegte Industriestrategie, um kritische Abhängigkeiten bei Rohstoffen, Energie und digitalen Technologien gezielt zu reduzieren und gleichzeitig die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken.

Förderpreis für Frauen in der Wirtschaftsforschung – FIW Award für PhD-Thesen im Bereich International Economics

Im Rahmen des „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW) wird der
„FIW Award“ als Förderung für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen im Forschungsbereich International Economics ausgeschrieben.

Der Preis richtet sich an qualifizierte Wissenschaftlerinnen bis zu einer Altersgrenze von 35 Jahren, die PhD-Thesen an einer österreichischen Universität im Bereich „International Economics“ verfasst haben oder an österreichische Staatsbürgerinnen, die ihre Abschlussarbeit an einer Universität im Ausland verfasst haben.

Der „FIW Award“ hat das Ziel, hervorragende Forschungsarbeiten von Frauen sichtbar zu machen und zu prämieren. Frauen sollen damit motiviert werden, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen.

Die Höhe des Förderpreises beträgt insgesamt € 3.000,- und kann auf mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen aufgeteilt werden. Die konkrete Aufteilung der Preisgelder richtet sich nach Qualität und Anzahl der Einreichungen. 

Gefördert werden theoretische, empirische und wirtschaftspolitische Abschlussarbeiten zu folgenden Themen:

Außenwirtschaft, Direktinvestitionen, Entwicklungsökonomie, Europäische Integration, Geoökonomie, Globalisierung, internationale Finanzmärkte, internationale Handels- und Finanzinstitutionen, internationale Makroökonomik, internationale Wirtschaftsentwicklung, internationaler Handel, internationaler Wettbewerb, multinationale Unternehmen,
Umweltfolgen von internationalen wirtschaftlichen Aktivitäten, volkswirtschaftliche Effekte von Migration, Wechselkursregime¸ bzw. ähnliche Themen.

Für die Bewertung der Einreichungen sind folgende Kriterien maßgebend:

Einreichungen senden Sie bitte an: FIW-Projektbüro fiw-pb@fiw.at

Verlängerte Einreichfrist: 15. Jänner 2026

Download (PDF)

Call for Papers: Neunter WIEN Workshop

Universität Wien
09.–10. Juli 2026

Organisation: Pol Antràs (Harvard), Alejandro Cuñat (Universität Wien), Harald Fadinger (Universität Wien)
und Kalina Manova (UCL)
Keynote Speaker: Matilde Bombardini (Berkeley) und Thierry Mayer (Sciences Po)


Wir laden zur Einreichung von Beiträgen für die 9. Ausgabe von WIEN ein, ein zweitägiges Treffen, das Forschende
zusammenbringt, die sich für Internationale Makroökonomie, globale Wertschöpfungsketten und Wirtschaftsgeografie interessieren.


Der Workshop findet in der wunderschönen Sky Lounge der Universität Wien mit Blick über die Stadt statt.
Um für das Programm berücksichtigt zu werden, müssen Beiträge bis Sonntag, den 15. März 2026, in PDF-Format an Frau Mieke Hein
(hein@wiiw.ac.at) eingereicht werden. Die Autorinnen und Autoren der für eine Präsentation ausgewählten Beiträge werden
Anfang April benachrichtigt.
Die Veranstalter freuen sich insbesondere über Einreichungen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, darunter Doktorandinnen und Doktoranden sowie Forschende, die ihre Promotion vor Kurzem abgeschlossen haben. Vor diesem Hintergrund wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Call for Papers an Ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen, ehemalige Studierende und aktuelle Doktorandinnen und Doktoranden weiterleiten könnten. Wie in früheren Ausgaben
werden wir bei der Auswahl der Vortragenden aktiv auf Vielfalt achten.
Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird eine Unterkunft im Zentrum Wiens zur Verfügung gestellt, und die Flugkosten für Vortragende, die an akademischen Einrichtungen tätig sind, werden im Rahmen bestimmter Budgetrichtlinien erstattet.
Die Konferenz wird großzügig von der Heinrich Graf Hardegg’schen Stiftung, FIW, der Universität Wien, wiiw und 1 UKRI im Rahmen einer Finanzierungsvereinbarung mit dem ERC unterstützt.

PDF herunterladen

2. Call for Papers – FIW-Research Conference 2025

18th FIW-Research Conference International Economics

Vienna, 19th-20th February 2026

Keynote Lecture: Lionel Fontagné (University Paris 1, PSE)

Extended Deadline: 16th November 2025

OUTLINE

The Research Centre International Economics – FIW announces its 18th Research Conference ‘International Economics’ and invites the submission of (full) working papers to be presented at the conference.          

The main objective of the conference is to provide a platform for economists working in the field of ‘International Economics’ to present recent research.

Papers from Ph.D. students, young faculty members and young researchers in similar positions are particularly welcome as the conference aims to support and encourage young economists by providing an opportunity to present their work to fellow junior economists as well as experienced senior researchers.

The conference also aims at bringing together researchers and policymakers to provide a forum for discussion on how empirical evidence can more effectively inform actual economic policymaking.

TIME & LOCATION

The 18th FIW Research Conference on ‘International Economics’ will take place on Thursday, 19th February 2026 andFriday, 20th February 2026 at the Vienna University of Economics and Business (WU Vienna), Welthandelsplatz 1, 1020 Vienna, Austria.

PAPER SUBMISSION

We invite the submission of (full) working papers on all topics in the field of International Economics.

Please submit your working papers via https://conference2026.fiw.ac.at
until 16th November 2025.

Selection decisions will be communicated between December 2025 and 15th January 2026.

AWARDS

Two prizes for the best contributions to the Research Conference will be awarded:
the ‘Best Conference Paper Award 2026’ and the Young Economist Award 2026’.
Each award is worth € 1000.

The ‘Young Economist Award 2026 is intended for Ph.D. students, young faculty members and young researchers in similar positions. To be considered for this award all authors of the paper have to be 34 or younger at the time of submission.

TOPICS COVERED

The broad topic of the conference is ‘International Economics’. This includes, inter alia, International Trade, International Factor Movements, Economic Integration, Effects of international economic activities on climate change, Trade Policy, International Trade Organizations, Economic Growth of Open Economies, Multinational Firms, Global Value Chains, International Macroeconomics and other related fields.

ORGANISATION

The 18th FIW-Research Conference ‘International Economics’ is organized by FIW with support from the Program Committee and the Austrian Federal Ministries for Women, Science and Research (BMFWF) and Economy, Energy and Tourism (BMWET).

The FIW – Research Centre International Economics (https://www.fiw.ac.at) is a cooperation between the Vienna University of Economics and Business (WU), the University of Vienna, the Johannes Kepler University Linz, the University of Innsbruck, IHS, WIFO and wiiw.

FIW is grateful for financial support by the Austrian Federal Ministries for Women, Science and Research (BMFWF) and Economy, Energy and Tourism (BMWET).

Program Committee

Harald Oberhofer (FIW, WU Vienna, WIFO)
Julia Bachtrögler-Unger (WIFO)
Marta Bisztray (KTRK, Budapest)
Jesús Crespo-Cuaresma (WU Vienna)
Alejandro Cuñat (University of Vienna)
Peter Egger (ETH Zürich)
Katharina Erhardt (HHU Düsseldorf, DICE)
Harald Fadinger (University of Vienna)
Gabriel Felbermayr (WIFO, WU Vienna)
Lisandra Flach (LMU Munich)
Jochen Güntner (JKU Linz)
Michael Irlacher (JKU Linz)
Inga Heiland (University of Oslo)
Brigitte Hochmuth (University of Copenhagen)

Mario Holzner (wiiw)
Mario Larch (University of Bayreuth)
Shahroo Malik (WU Vienna)
Karin Mayr-Dorn (JKU Linz)
Birgit Meyer (WIFO)
Katrin Rabitsch (WU Vienna)
Michael Pfaffermayr (University of Innsbruck)
Robert Stehrer (wiiw)
Julia Spornberger (University of Hohenheim)
Roman Stöllinger (TU Delft)
Gabriele Tondl (WU Vienna)
Joschka Wanner (University of Würzburg)
Klaus Weyerstraß (IHS)
Yvonne Wolfmayr (WIFO)

Questions may be addressed to fiw-pb@fiw.ac.at or alexander.hudetz@wifo.ac.at.

The conference programme will be published on https://www.fiw.ac.at and https://conference2026.fiw.ac.at
Attendance at the FIW Research Conference is free of charge. Please note that travel expenses will not be reimbursed. The official language of the conference is English.

VIENNA INTERNATIONAL ECONOMICS SEMINAR (VIES) 

Das FIW ist sehr erfreut, Teil einer neuen Seminarreihe in Wien zu sein. Das VIES-Seminar widmet sich der Spitzenforschung im Bereich der internationalen Wirtschaft und bietet Vorträge von renommierten internationalen Wissenschaftlern.

Das VIES ist eine gemeinsame Initiative der CEU, des FIW, der Universität Wien, des WIFO, des wiiw und der WU.

Organisation: Gábor Békés (CEU), Alejandro Cuñat (Vienna U), Harald Fadinger (Vienna U), Gabriel Felbermayr (WIFO, WU), Miklós Koren (CEU), Harald Oberhofer (WIFO, WU), Robert Stehrer (WIIW). Das Seminar wird derzeit von Harald Fadinger koordiniert.

Termine und Ort:

Das Seminar findet dienstags von 17:45 bis 19:15 Uhr in unregelmäßigen Abständen statt und wechselt jedes Semester zwischen den teilnehmenden Institutionen. Von Oktober 2025 bis Januar 2026 wird es von der Universität Wien an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Oskar-Morgenstern-Platz 1, 1090 Wien, veranstaltet.

Anmeldung:

Die Teilnehmer:innen werden gebeten, sich vorab bei Julia Hnidek (julia.hnidek@univie.ac.at) anzumelden.

Alle Details und der aktuelle Zeitplan sind unter https://sites.google.com/view/viennainternationaleconomicsse/ verfügbar.

Wir freuen uns darauf, Sie beim Vienna International Economics Seminar begrüßen zu dürfen.

2024 war ein herausforderndes Jahr für die österreichische Außenwirtschaft

Im abgelaufenen Kalenderjahr dürften die österreichischen Güterexporte um 2,9% und die Importe um 4,9% gesunken sein. Die Warenhandelsbilanz hat sich verbessert und dürfte das erste Mal seit 2007 einen Überschuss erzielen.  Für heuer und im nächsten Jahr prognostiziert das FIW ein preisbereinigtes Exportwachstum von 1,4% und 2,3% wobei die Abwärtsrisiken wie etwa die notwendigen Budgetkonsolidierungen in Europa und die protektionistische Handelspolitik des neuen US-Präsidenten überwiegen.

Der „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW) veröffentlichte am Mittwoch, den 19. Februar 2025 sein sechstes Jahresgutachten zur „Lage der österreichischen Außenwirtschaft“. Neben den aktuellen internationalen Rahmenbedingungen präsentiert das Autor:innenteam eine kurzfristige Prognose der österreichischen Außenhandelsentwicklung für die Jahre 2025 und 2026. Zudem werden mittelfristige Trends beleuchtet, die das globale Wirtschaftsgeschehen und das regelbasierte globale Handelssystem nachhaltig prägen könnten. Im Zentrum der Diskussion stehen die möglichen Folgen der Präsidentschaft von Donald Trump für das regelbasierte Welthandelssystem und es wird der Frage nachgegangen, wie die EU und andere wichtige Handelspartner auf die US-Politik reagieren könnten.

Das Kalenderjahr 2024 stellte die österreichische Außenwirtschaft vor größere Herausforderungen. Im Jahr 2024 dürfte der Gesamtexport von österreichischen Waren und Dienstleistungen um 2,9% zurückgehen, wobei die Warenexporte 2024 real um 4,5% sinken dürften. Hauptursachen waren die anhaltende Industrierezession in Europa, die schwache Wirtschaftsentwicklung in Deutschland – dem wichtigsten Exportmarkt – sowie ein Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Warenherstellung. Die Dienstleistungsexporte zeigen sich vergleichsweise robust, was auf einen starken Tourismusexport zu Jahresbeginn, die Transportdienstleistungen sowie die unternehmensbezogenen Dienstleistungsexporte zurückzuführen ist.

Die Warenhandelsbilanz verbesserte sich laut vorläufigen Daten bis September 2024 um 8,6 Mrd. € und bringt für 2024 einen Handelsbilanzüberschuss. Diese Verbesserung wird von einem positiven Terms-of-Trade-Effekt begleitet. Mit dem weitaus stärkeren Einbruch der Importe als der Exporte belief sich die Warenhandelsbilanz bis zum 3. Quartal 2024 auf +3,5 Mrd. Gemäß Daten der Statistik Austria ist für das Gesamtjahr 2024 eine stark positive Terms-of-Trade-Verbesserung um 3,9% zu erwarten.

Für die Jahre 2025 und 2026 prognostiziert das Jahresgutachten eine moderate Erholung der österreichischen Exporte und Importe. Die preisbereinigten Warenexporte dürften 2025 um 1,5% und 2026 um 2,0% wachsen. Das Gesamtexportwachstum dürfte 1,4% für 2025 und 2,3% für 2026 erreichen. Für die realen Gesamtimporte von Waren und Dienstleistungen wird ein Wachstum von 1,7% im Jahr 2025 und 2,3% im Jahr 2026 prognostiziert.  Die Terms-of-Trade dürften sich vor allem aufgrund der Abwertungstendenz des Euro gegenüber dem US-Dollar im Jahr 2025 wieder verschlechtern und 2026 unverändert bleiben

Die Prognosen für 2025 und 2026 sehen sich mit einer Reihe von Abwärtsrisiken konfrontiert. Die größten Risiken für die Prognose ergeben sich aus den notwendigen Budgetkonsolidierungen in den wichtigsten europäischen Volkswirtschaften und deren potenziellen Auswirkungen auf die Industrie- und Investitionskonjunktur in Europa. Weitere Unsicherheiten entstehen durch die fiskal- und handelspolitischen Maßnahmen des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Insbesondere seine zum Teil bereits in Kraft gesetzten aber teilweise ausgesetzten Zölle gegen zentrale Handelspartner wie Mexiko und Kanada bzw. die geplanten Zölle auf alle Stahl- und Aluminiumimporte der USA könnten erhebliche handelspolitische Spannungen auslösen.

Einfache politische Lösungen für diese Herausforderungen sind nicht in Sicht. Die zentrale Rolle der USA in der Weltwirtschaft bedeutet, dass ein umfassender Bruch mit den bestehenden Handelsregeln spürbare und weitreichende Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben wird. Dennoch kann und sollte die EU im eigenen Interesse Maßnahmen ergreifen und welthandelsregelkonform auf mögliche Initiativen von Donald Trump reagieren. Eine stärkere Diversifizierung der Handelsbeziehungen und neue Handelsabkommen, etwa mit Mercosur-Staaten, könnten Europas Wirtschaft stärken. Die WTO sollte für die EU weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen, auch wenn institutionelle Schwächen dessen Handlungsfähigkeit einschränken.

Bei all den handelspolitischen Herausforderungen darf jedoch die Frage nach der mittel- bis langfristigen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft nicht außer Acht gelassen werden. Der Ende Jänner 2025 vorgestellte „Kompass für Wettbewerbsfähigkeit“ mit seinem „Rettungsplan“ schlägt ein erstes Maßnahmenbündel vor, welches sich explizit mit dem Thema der europäischen Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext und vor allem gegenüber den USA und China beschäftigt.

Das FIW-Jahresgutachten steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Wien, am 19. Februar 2025

Rückfragen bitte an
Univ.-Prof. MMag. Dr. Harald Oberhofer,
Tel. +43 1 798 26 01-468
harald.oberhofer@wifo.ac.at

 
Herausgeber ist das Kompetenzzentrum „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW).   Das FIW bietet eine Forschungsplattform, Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen sowie den Zugang zu volkswirtschaftlichen Datenbanken. Das Kompetenzzentrum FIW ist ein Kooperationsprojekt der Wirtschaftsuniversität Wien mit der Universität Wien, der Johannes-Kepler-Universität Linz, der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Es wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) sowie des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) finanziert. Das Jahresgutachten wurde aus Mitteln des BMAW gefördert. Alle Rechte vorbehalten. Jeder Teil des Inhalts dieses Gutachtens kann unter Bezugnahme auf die Quelle zitiert werden.   Für die Inhalte sind die Autorinnen und Autoren verantwortlich.  
 
Kontakt:
FIW-Projektbüro
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung ‑ WIFO
1030 Wien, Arsenal, Objekt 20
Telefon: (+43 1) 798 26 01-335
E-Mail: fiw-pb@fiw.ac.at
Webseite: https://www.fiw.ac.at/
 

Förderpreis für Frauen in der Wirtschaftsforschung – FIW Award für Masterarbeiten 2024 im Bereich International Economics

Im Rahmen des „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft (FIW)“ wird der „FIW Award“ als Förderung für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen im Forschungsbereich International Economics ausgeschrieben.

Der Preis richtet sich an qualifizierte Wissenschaftlerinnen, die eine Diplom- oder Masterarbeit an einer österreichischen Universität oder an österreichische Staatsbürgerinnen, die ihre Masterarbeit an einer ausländischen Universität/Hochschule im Bereich „International Economics“ verfasst haben.

Der „FIW Award“ hat das Ziel, hervorragende Forschungsarbeiten von Frauen sichtbar zu machen und zu prämieren. Frauen sollen damit motiviert werden, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen.

Die Höhe des Förderpreises beträgt insgesamt € 7.000,- und kann auf mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen aufgeteilt werden. Die konkrete Aufteilung der Preisgelder richtet sich nach Qualität und Anzahl der Einreichungen. 

Gefördert werden theoretische, empirische und wirtschaftspolitische Abschlussarbeiten zu folgenden Themen:

Außenwirtschaft, Direktinvestitionen, Entwicklungsökonomie, Europäische Integration, Globalisierung, internationale Finanzmärkte, internationale Handels- und Finanzinstitutionen, internationale Makroökonomik, internationale Wirtschaftsentwicklung, internationaler Handel, internationaler Wettbewerb, multinationale Unternehmen, volkswirtschaftliche Effekte von Migration, Wechselkursregime¸ bzw. ähnliche Themen.

Für die Bewertung der Einreichungen sind folgende Kriterien maßgebend:

Einreichungen senden Sie bitte an: fiw-pb@fiw.at

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verlängerte Einreichfrist: 23. Februar 2025

Call for Papers: 8. Workshop on International Economic Networks (WIEN 2025)

Venue: University of Vienna
Date: June 26-27, 2025

Organizers: Pol Antràs (Harvard), Alejandro Cuñat (University of Vienna), Harald Fadinger (University of Vienna), and Kalina Manova (UCL)

Keynote Speakers: Lorenzo Caliendo (Yale) and Isabelle Mejean (Sciences Po)

Following upon the first seven editions of WIEN, the University of Vienna will again host a two-day meeting that will draw together researchers interested in international economics, global value chains and economic geography. 

The workshop will take place in the University of Vienna’s beautiful historical main building. 

To be considered for inclusion on the programme, papers must be submitted in PDF format to Mrs. Jelena Milosevic (milosevic@wiiw.ac.at) by Saturday, March 1st, 2025. Authors chosen to present papers at the conference will be notified in March.

The organisers are particularly keen on receiving submissions from young scholars, including Ph.D. students and researchers who have just completed their Ph.Ds. With that in mind, we would appreciate it if you could circulate this Call for Papers among your junior colleagues, former students and current Ph.D. students. As in past editions, we will actively seek diversity in the set of selected speakers.

Participants will be provided with accommodation in central Vienna, and airfares for speakers will also be reimbursed subject to certain budget guidelines. The conference is generously supported by the Heinrich Graph Hardegg’sche Stiftung, FIW [1], University of Vienna, wiiw, and the ERC/UKRI under Horizon Europe Guarantee.

EU-Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland würden Österreichs BIP um 142,8 Mio. € erhöhen

Vor allem der Sektor Maschinen und Ausrüstungen könnte von erleichtertem Marktzugang profitieren

Die beiden EU‑Handelsabkommen mit Neuseeland und Australien könnten laut Modellberechnungen einer aktuellen FIW‑Studie des WIFO sowohl die Wohlfahrt, gemessen in Veränderungen des realen BIP, wie auch den Gesamthandel und die bilateralen Handelsverflechtungen der EU‑Mitgliedstaaten moderat steigern, wobei die Höhe der Effekte mit dem Umfang der Handelsliberalisierung zunimmt. In einem Szenario tiefer EU‑Freihandelsabkommen mit Neuseeland und Australien steigt die Wohlfahrt in Neuseeland und Australien um 0,551% bzw. 0,527%, in Österreich bzw. der EU erhöht sich das reale BIP langfristig um 0,037% (142,8 Mio. €) bzw. 0,049% (6,8 Mrd. €). Besonders Österreich könnte von einem erleichterten Marktzugang im Sektor Maschinen und Ausrüstungen profitieren.

Ohne Agrarliberalisierung fallen die Wohlfahrtsgewinne jedoch geringer aus, wobei vor allem große Agrarexporteure in der EU tendenziell nachteilig betroffen sind. Folglich entgehen der EU bei einem Abschluss von Freihandelsabkommen ohne eine Liberalisierung im Agrarbereich potenzielle Wohlfahrtsgewinne durch einen größeren Marktzugang, größere Netzwerkeffekte und stärkere Effizienzsteigerungen im Agrarsektor selbst und in verwandten Bereichen.

Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und einer zunehmend protektionistischen Weltwirtschaft hat die EU ihre Handelspolitik neu ausgerichtet. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Freihandelsabkommen der EU mit Australien und Neuseeland. Die vorliegende Studie von Elisabeth Christen und Hendrik Mahlkow zeigt, dass diese Abkommen nicht nur wirtschaftliche Vorteile eröffnen, sondern auch wichtige geopolitische und strategische Ziele der EU unterstützen können. Die Ergebnisse unterstreichen den Beitrag dieser Handelsvereinbarungen, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der EU‑Wirtschaft zu stärken und die geopolitische Position der EU im indo‑pazifischen Raum auszubauen.

„Die Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland stellen nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein geopolitisches Instrument dar, um die EU in einer zunehmend multipolaren Weltwirtschaft zu positionieren“, so WIFO‑Ökonomin Elisabeth Christen. Sie festigen die Position der EU in globalen Handelsnetzwerken, tragen zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung bei, fördern die Verbreitung von europäischen Standards und stärken die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der europäischen Wirtschaft.

Neben den ökonomischen Vorteilen beleuchtet die Studie auch die geopolitischen Implikationen der Freihandelsabkommen. „Wenngleich die wirtschaftlichen Effekte dieser Freihandelsabkommen marginal erscheinen, könnte die EU durch den Abschluss des Freihandelsabkommens mit Neuseeland sowie die Wiederaufnahme der fortgeschrittenen Verhandlungen mit Australien ihre Abhängigkeit von China verringern, die Handelsbeziehungen mit demokratischen Partnern vertiefen und gemeinsame Handelsregeln durchsetzen“, so WIFO‑Ökonom Hendrick Mahlkow.

„Für Österreich, als exportorientierte Volkswirtschaft, sind diese Abkommen von besonderer Bedeutung, da sie den Zugang zu internationalen Märkten sichern und damit wirtschaftliches Wachstum sowie Beschäftigung fördern. Die EU sollte daher die Verhandlungen mit Australien fortsetzen und die geopolitischen Chancen dieser beiden Partnerschaften im indo‑pazifischen Raum voll ausschöpfen, um ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie zu stärken. Dies ist vor allem im Kontext der zunehmenden wirtschaftlichen Vormachtstellung Chinas – unter anderem durch das Regional Comprehensive Economic Partnership‑Abkommen – in dieser Region für die EU von Bedeutung“, so Christen.

„Besonders für die Sicherstellung des Zugangs zu strategischen und kritischen Rohstoffen, die für die grüne Transformation der EU von zentraler Bedeutung sind, wie Lithium und Kobalt, spielen Australien und Neuseeland eine Schlüsselrolle. Diese strategischen Partnerschaften über Rohstoffabkommen hinaus stärken die Resilienz der EU gegenüber geopolitischen Unsicherheiten und sichern die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen“, so Christen.

Die Verhandlungen mit Australien zeigen jedoch auch die Herausforderungen der neuen EU‑Handelspolitik, in der nicht‑handelsspezifische Ziele zunehmend in den Fokus von Handelsabkommen rücken, vor allem im Hinblick auf das strategische Interesse Handelsverflechtungen zu diversifizieren und die Versorgungssicherheit bei (kritischen) Rohstoffen abzusichern. Eine Einigung wird durch komplexe Interessenslagen, wie den Zugang zum europäischen Agrarmarkt im Austausch für den Zugang zu australischen Rohstoffmärkten, erschwert. Wenngleich die wirtschaftlichen Vorteile eines Freihandelsabkommens überwiegen, bergen die Interessenskonflikte bei diesen strategischen Verhandlungspositionen das Risiko den erfolgreichen Abschluss aufs Spiel zu setzen.


Über die Studie:

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) in Auftrag gegeben und verwendet das KITE-Modell, ein allgemeines Gleichgewichtsmodell der Weltwirtschaft, zur quantitativen Bewertung der Auswirkungen der Freihandelsabkommen auf die EU, Österreich, Neuseeland und Australien.

Kontakt:

Mag. Elisabeth Christen, PhD

Dr. Hendrik Mahlkow, MSc