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Neuer FIW Trade Indicator veröffentlicht

„Wir brauchen aktuelle Daten, um einen genauen Eindruck der Wachstumsraten unseres Warenaußenhandels und somit die Wohlfahrtssteigerung Österreichs und die konjunkturellen Tendenzen im Außenhandel zeitnah beurteilen zu können.“, erklärte Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher.

Deshalb hat das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) das Institut für Höhere Studien (IHS) beauftragt, mit ökonometrischen Methoden und zeitaktuellen Daten einen Nowcast der Entwicklung des österreichischen Warenaußenhandels zu erstellen.

Ab April 2024 wird das BMAW monatlich aktuelle und qualitativ hochwertige Schätzungen für den österreichischen Warenverkehr im abgelaufenen Monat veröffentlichen. Neben den nominellen Werten weist der FIW Trade Indicator auch preis- und saisonbereinigte Werte aus, die Verzerrungen durch saisonale Einflüsse und Feiertage ausschalten und eine zeitnahe Beurteilung der konjunkturellen Tendenzen im Außenhandel erlauben. Dadurch stehen erstmals zeitnahe belastbare Prognosen des österreichischen Außenhandels zur Verfügung. Zum Vergleich: Die Statistik Austria publiziert die ersten vorläufigen Daten zu nominellen Warenexporten und -importen mit einer Zeitverzögerung von mehr als zwei Monaten.

Den FIW Trade Indicator finden Sie ab sofort auf der FIW-Website unter der Rubrik Daten.

FIW-Spotlight: Prognose des Warenaußenhandels 2023 und 2024

Der massive Preisauftrieb und Energiepreisschock des Vorjahres sowie ein kräftiger Abbau von Vorsichtslagern schwächen 2023 die weltweite Industrieproduktion und den Welthandel. Zusätzlich sorgen der Inflationsabstand Österreichs zu wichtigen Handelspartnern und die Aufwertung des Euro für eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsposition. Trotzdem expandierten die österreichischen Warenexporte im ersten Halbjahr 2023 mit 3,9% (real) kräftig und Marktanteile in wichtigen Märkten konnten ausgeweitet werden. Die Exportdynamik wird sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich einbremsen und für das Gesamtjahr 2023 wird ein Wachstum der Warenexporte von rund 1,5% (real) erwartet. Im Jahr 2024 dürften die Exporte um 2,5% (real) zulegen. Das Handelsbilanzdefizit im Warenaußenhandel wird sich im Jahr 2023 mit -10,3 Mrd. € auf die Hälfte des Vorjahreswertes reduzieren. Dazu trägt auch die Verbesserung der Terms-of-Trade dank eines Rückgangs bei den Energiepreisen bei. Die Hauptergebnisse der Außenhandelsprognose sind in Übersicht 1 zusammenfassend dargestellt.

Globale Wirtschaftsleistung verliert an Schwung und dämpft das Wachstum österreichischer Exportmärkte

Die weltwirtschaftliche Entwicklung verlor zuletzt deutlich an Schwung (siehe Abbildung 1.1). Sie wird von einer Schwäche der globalen Industrieproduktion begleitet, die sich auch auf den weltweiten Warenhandel durchschlägt. Davon ist vor allem Deutschland betroffen. Für den wichtigsten Handelspartner Österreichs ist im Jahr 2023 mit einer Rezession zu rechnen (‑0,6%), im kommenden Jahr wird sich die Wirtschaftsleistung Deutschlands leicht erholen (+1,2%). Die Konjunktur wird in Europa zusätzlich durch eine hohe Inflation sowie steigende Zinsen infolge der restriktiven Geldpolitik belastet. Gleichzeitig nahm die Nachfrage in China nach dem Auslaufen der Öffnungseffekte im Frühjahr 2023 deutlich ab. Die weltweite Industrieproduktion und der Warenhandel sinken aber auch vor allem in Folge des Abbaus von Vorsichtslagern, die in den Jahren davor aufgrund von drohenden Lieferknappheiten sowie Lieferausfällen bei Energie aufgebaut wurden. Dämpfende Effekte gehen aber auch von der Rückverschiebung der weltweiten Konsumstruktur von einem ‑ coronabedingt ‑ verstärkten Warenkonsum zum vermehrten Dienstleistungskonsum aus.  Die Wachstumsaussichten werden sich erst mit dem fortgeschrittenen Abbau der erhöhten Lagerbestände im nächsten Jahr wieder verbessern. Zudem deuten die meisten derzeit vorliegenden Prognosen einen weiteren Rückgang der Inflation für das Jahr 2024 an. Belastend für die Weltkonjunktur dürften im kommenden Jahr 2024 die weiterhin restriktive Geldpolitik sowie die schwache Wirtschaftsentwicklung in China wirken. In den USA blieb die Konjunktur bisher stabil und vor allem vom privaten Konsum gestützt. Für das Jahr 2024 wird aber auch in den USA eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums prognostiziert, vor allem weil die Impulse aus dem privaten Konsum abklingen.

Inflationsdifferenzial zum Ausland und Aufwertung des Euro verschlechtern die preisliche Wettbewerbsposition

Unter diesen internationalen Rahmenbedingungen werden die österreichischen Exportmärkte (das „österreichische Marktwachstum“) heuer vor allem aufgrund der schwachen Importnachfrage Deutschlands und der mittel- und osteuropäischen Länder mit 0,4% schrumpfen und dürften sich im Jahr 2024 mit +3,2% erholen (Abbildung 1.3). Zusätzlich sorgen der Inflationsabstand Österreichs zu wichtigen Handelspartnern sowie die Aufwertung des Euro im Prognosezeitraum für eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsposition (Abbildung 1.3). Vor allem im Jahr 2023 ist der Preisanstieg gemessen am Verbraucherpreisindex deutlich höher als bei Vergleichsländern des Euro-Raums (Abbildung 2.1). Dieses Inflationsdifferenzial dürfte 2024 schrumpfen, aber weiterhin bestehen bleiben. Diesem Bild entsprechend schätzen die heimischen Industrieunternehmen ihre Wettbewerbsposition im Vergleich zu Konkurrenten in der EU aber insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz außerhalb der EU erneut deutlich schlechter ein (Abbildung 2.4). Historische Tiefststände erreichen die Einschätzungen zur Wettbewerbsposition vor allem bei Vorleistungsgüter- und Konsumgüterbranchen, während sie in der Investitionsgüterbranche verzögert und weniger stark einbrechen. Allerdings ist ein Effekt auf die Exporte und Marktanteile Österreichs in den Daten für das erste Halbjahr 2023 noch nicht ablesbar.

Trotz widriger Umstände robuste Entwicklung der Warenexporte und Marktanteilsgewinne im ersten Halbjahr 2023

Die österreichische Exportwirtschaft erwies sich im ersten Halbjahr 2023 angesichts der negativen Einflüsse als robust und konnte sogar Marktanteile in wichtigen Märkten gewinnen. Sie ist weniger vom Nachfrageeinbruch bei Vorprodukten im Zuge des Lagerabbaus betroffen und konnte in speziellen Nischen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die Entwicklung der österreichischen Produzentenpreise im Ausland legt auch eine relativ zu den Handelspartnern moderate Überwälzung der Kostensteigerungen im Inland auf die österreichischen Exportpreise nahe, vermutlich zulasten von Unternehmensgewinnen. Der Zuwachs der Exporte von Waren erreichte laut vorläufigen Daten der Außenhandelsstatistik im ersten Halbjahr 2023 6,1% zu laufenden Preisen (nominell) und 3,9% zu konstanten Preisen (real) (Abbildung 3). Als wichtigste Wachstumstreiber erwiesen sich dabei die Ausfuhren von Investitionsgütern (Maschinen und Fahrzeuge). Die (nominelle) Marktanteilsentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2023 zeigt Zugewinne von 10,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum, vor allem dank kräftiger Ausfuhren von Maschinen nach Deutschland und in die USA. Gemessen an den Exporten des Euro‑Raums stiegen die Marktanteile Österreichs um 3,4%1).

Pessimistischer Ausblick für die zweite Jahreshälfte 2023, aber mäßige Erholung im kommenden Jahr

Allerdings vermitteln Unternehmenseinschätzungen im WIFO-Konjunkturtest einen pessimistischen Ausblick für die zweite Jahreshälfte 2023 (Abbildungen 4.1, 4.2). Die Beurteilung der Exportaufträge verschlechtert sich seit der Mai‑Umfrage. Die Exporterwartungen wurden in den Sommermonaten ebenfalls deutlich zurückgeschraubt und erholten sich auch in der letzten Umfrage im Oktober kaum. Dabei hat sich vor allem die Stimmung in den Investitionsgüterbranchen eingetrübt und damit gerade in jenen Bereichen der Exportwirtschaft, die das Exportwachstum bisher getragen haben. Damit sollte sich die Exportdynamik im zweiten Halbjahr 2023 einbremsen und die Exporterfolge aus dem ersten Halbjahr deutlich schmälern. Für das Gesamtjahr 2023 ist ein Wachstum der Warenexporte von rund 1,5% (real) zu erwarten (Abbildung 5.1). Angesichts der Annahme, dass sich die internationale Konjunktur 2024 bessert, kann mit einer Erholung im Verlauf des kommenden Jahres gerechnet werden. Die Warenexporte dürften 2024 um 2,5% (real) zulegen. Allerdings wird der nunmehr verzögert einsetzende Rückgang der Investitionsgüternachfrage bis in das Jahr 2024 hineinreichen und den auf Investitionsgüter spezialisierten österreichischen Exportunternehmen kaum Raum für weitere Marktanteilsgewinne geben.

Die Warenimporte spiegeln die Schwäche der heimischen Industrieproduktion und den Abbau der Vorsichtslager bei Energie und Industrierohstoffen, die im Vorjahr aufgebaut wurden. Zudem macht sich auch der Einbruch insbesondere im Konsum sogenannter dauerhafter Konsumgüter bemerkbar2). Auch dies ist zum Teil der Normalisierung der Konsumstruktur nach der COVID-19-Krise geschuldet. Für das Jahr 2023 wird mit einem Rückgang der Einfuhren um fast 2% (real) gerechnet, 2024 dürften sich die Importe mit einem Zuwachs von 2,3% (real) wieder erholen (Abbildung 5.1). Das Handelsbilanzdefizit im Warenaußenhandel wird sich aufgrund der schwachen Importentwicklung deutlich verbessern und sich im Jahr 2023 mit ‑10,3 Mrd. € auf die Hälfte des Vorjahreswertes reduzieren (Abbildung 5.2). Wesentlich für den Außenhandel ist aber auch die Verbesserung der Terms-of-Trade, das Verhältnis der Export- zu den Importpreise. Diese hatten sich 2022 im Zuge der Rohstoff- und Energieteuerungen – insbesondere aufgrund des höheren Energieanteils bei den Importen – drastisch verschlechtert und die österreichische Handelsbilanz stark belastet. Der Rückgang der Energiepreise (vor allem bei Erdgas) im heurigen Jahr löste jedoch eine Gegenbewegung aus. Der große Preisdruck aus dem Ausland über die Rohstoffpreise wird nach derzeitiger Prognose weiter nachlassen, auch der Anstieg der Produzentenpreise der im Ausland verkauften Waren Österreichs sowie wichtiger Handelspartner in der EU hat sich weiter abgeschwächt. 2023 und 2024 verbessern sich die Terms-of-Trade damit wieder (2023 um +1,5% und 2024 um +0,5%), aber weniger deutlich, als sie sich 2022 verschlechtert hatten (-5,0%) (Abbildung 5.3). Auch mittelfristig bleiben wichtige importierte Rohstoffe wie Erdgas und Rohöl teurer.

Die Prognose geht davon aus, dass es zu keiner weiteren Eskalation des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine kommt, genügend Erdgasvorräte über den Winter aufgebaut wurden und ein vollständiger Erdgaslieferstopp Russlands nach Europa weiterhin ausgeschlossen werden kann. Diesbezügliche Risiken bleiben aber bestehen und Verknappungen könnten neuerliche Preissteigerungen auslösen und die Inflation weiter befeuern. Zusätzliche Unsicherheit und geopolitisches Risiko verbirgt sich auch im kürzlich entbrannten Nahost-Konflikt zwischen Israel und der Hamas, sofern sich der Konflikt ausbreitet und weitergehende Spannungen im Nahen Osten die Produktion und den Transport von Öl gefährden. Wird all dies nicht schlagend, könnte sich umgekehrt auch ein schnellerer Rückgang der Inflation als in der Prognose unterstellt ergeben, der den Spielraum für Leitzinssenkungen eröffnet und positive Impulse für die Weltkonjunktur bringen würde.

Autorin:

Dr. Yvonne Wolfmayr ist Senior Economist der Forschungsgruppe „Industrie-, Innovations- und internationale Ökonomie“ des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO). Von 2013 bis 2016 war sie Stellvertretende Leiterin des WIFO. Das Studium der Volkswirtschaftslehre absolvierte sie an der Universität Wien und promovierte and der Universität Innsbruck. Auslandsaufenthalte an renommierten Universitäten in den USA (University of California, Los Angeles, und Stanford University) begleiteten ihre Laufbahn seither. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Analyse internationaler Handelsfragen, einschließlich ausländischer Direktinvestitionen. Die Erstellung der Außenhandelsprognose zählt zu ihren regelmäßigen Aktivitäten am WIFO.


  1. Die Entwicklung nomineller Marktanteilen reflektiert auch Preis- und Wechselkursveränderungen. Wird der Marktanteil im Vergleich zu Ländern des gleichen Währungsraums berechnet, wird der Wechselkurseffekt in diesem Vergleich ausgeschaltet. ↩︎
  2. Zu den dauerhaften Konsumgütern zählen z. B. Möbel, Sportgeräte, Fahrräder, Kühlschränke oder Waschmaschinen. ↩︎

2. Call for Papers – FIW-Research Conference 2024

16th FIW-Research Conference

‘International Economics

Vienna, 22nd-23rd February 2024

Extended Deadline: 30th October 2023

OUTLINE

Der Forschungsscwerpunkt Internationale Wirtschaft kündigt seine 16. Forschungskonferenz „International Economics“ an und lädt zur Einreichung von (vollständigen) Workping Papers ein, die auf der Konferenz präsentiert werden sollen.
Das Hauptziel der Konferenz ist es, Wirtschaftswissenschaftlern, die auf dem Gebiet der „Internationalen Wirtschaft“ arbeiten, eine Plattform zu bieten, um aktuelle Forschungsergebnisse zu präsentieren.
Beiträge von Doktoranden, jungen Fakultätsmitgliedern und jungen Forschern in ähnlichen Positionen sind besonders willkommen, da die Konferenz junge Wirtschaftswissenschaftler unterstützen und ermutigen soll, indem sie ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Arbeit sowohl anderen jungen Wirtschaftswissenschaftlern als auch erfahrenen älteren Forschern vorzustellen.
Die Konferenz soll auch Forscher und politische Entscheidungsträger zusammenbringen, um ein Forum für Diskussionen darüber zu bieten, wie empirische Erkenntnisse effektiver in die aktuelle Wirtschaftspolitik einfließen können.

TIME & LOCATION

Die 16. FIW-Forschungskonferenz findet am Donnerstag, 22. Februar 2024 und Freitag, 23. Februar 2024 an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), Welthandelsplatz 1, 1020 Wien statt.

PAPER SUBMISSION

Wir bitten um die Einreichung von (vollständigen) Arbeitspapieren zu allen Themen aus dem Bereich der Internationalen Wirtschaft.
Bitte reichen Sie Ihre Arbeitspapiere über https://conference2024.fiw.ac.at
bis zum 30. Oktober 2023 ein.

Die Auswahlentscheidungen werden im Dezember 2023 bekannt gegeben.

AWARDS
Es werden zwei Preise für die besten Beiträge zur Forschungskonferenz vergeben – der ‚Best Conference Paper Award 24′ und der ‚Young Economist Award 24‚. Jeder Preis ist mit 1000 € dotiert.
Der ‚Young Economist Award 24‘ ist für Doktoranden, junge Fakultätsmitglieder und junge Forscher in ähnlichen Positionen bestimmt. Um für diesen Preis in Frage zu kommen, müssen alle Autoren der Arbeit zum Zeitpunkt der Einreichung 34 Jahre oder jünger sein.

TOPICS COVERED

Das allgemeine Thema der Konferenz ist „Internationale Wirtschaft“. Dazu gehören unter anderem internationaler Handel, internationale Faktorbewegungen, wirtschaftliche Integration, Auswirkungen internationaler Wirtschaftsaktivitäten auf den Klimawandel, Handelspolitik, internationale Handelsorganisationen, Wirtschaftswachstum offener Volkswirtschaften, multinationale Unternehmen, globale Wertschöpfungsketten, internationale Makroökonomie und andere verwandte Bereiche

ORGANISATION

Die 16. FIW-Forschungskonferenz „Internationale Wirtschaft“ wird vom FIW mit Unterstützung des Programmkomitees und der österreichischen Bundesministerien für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBFW) und für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) organisiert.

ABOUT FIW

Das FIW – Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft (https://www.fiw.ac.at) ist eine Kooperation zwischen der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), der Universität Wien, der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität Innsbruck, dem WIFO, dem wiiw und dem WSR. Das FIW bedankt sich für die finanzielle Unterstützung durch die österreichischen Bundesministerien für Bildung, Forschung und Wissenschaft (BMBFW) und Arbeit und Wirtschaft (BMAW).

Program Committee

Harald Oberhofer (FIW, WU Vienna, WIFO)
Julia Bachtrögler-Unger (WIFO)
Marta Bisztray (KTRK, Budapest)
Jesus Crespo-Cuaresma (WU Vienna)
Alejandro Cunat (University of Vienna)
Peter Egger (ETH Zürich)
Katharina Erhardt (HHU Düsseldorf, DICE)
Harald Fadinger (University of Mannheim)
Gabriel Felbermayr (WIFO, WU Vienna)
Lisandra Flach (LMU Munich)
Michael Irlacher (JKU Linz)
Inga Heiland (University of Oslo)
Mario Holzner (wiiw)
Mario Larch (University of Bayreuth)
Dalia Marin (TU Munich)
Karin Mayr-Dorn (JKU Linz)
Birgit Meyer (WIFO)
Katrin Rabitsch (WU Vienna)
Michael Pfaffermayr (University of Innsbruck)
Robert Stehrer (wiiw)
Roman Stöllinger (TU Delft)
Joschka Wanner (University of Würzburg)
Yvonne Wolfmayr (WIFO)

Fragen können an fiw-pb@fiw.ac.at oder alexander.hudetz@wifo.ac.at gerichtet werden.
Das Konferenzprogramm wird auf https://www.fiw.ac.at und https://conference2024.fiw.ac.at veröffentlicht.
Die Teilnahme an der FIW-Forschungskonferenz ist kostenlos.
Die Konferenzsprache ist Englisch. Reisekosten werden nicht rückerstattet.

Download Call for Papers (PDF)


Förderpreis für Frauen in der Wirtschaftsforschung

FIW Award für PhD-Thesen im Bereich International Economics

Einreichfrist 15. November 2023

Im Rahmen des Kompetenzzentrums „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ wird der „FIW Award“ als Förderung für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen im Forschungsbereich International Economics ausgeschrieben.

Der Preis richtet sich an qualifizierte Wissenschaftlerinnen bis zu einer Altersgrenze von 35 Jahren, die PhD-Thesen an einer österreichischen Universität im Bereich „International Economics“ verfasst haben oder an österreichische Staatsbürgerinnen, die ihre Abschlussarbeit an einer Universität im Ausland verfasst haben.

Der „FIW Award“ hat das Ziel, hervorragende Forschungsarbeiten von Frauen sichtbar zu machen und zu prämieren. Frauen sollen damit motiviert werden, eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen.

Die Höhe des Förderpreises beträgt insgesamt € 5.000,00 und kann auf mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen aufgeteilt werden. Die konkrete Aufteilung der Preisgelder richtet sich nach Qualität und Anzahl der Einreichungen. 

Gefördert werden theoretische, empirische und wirtschaftspolitische Abschlussarbeiten zu folgenden Themen:

Außenwirtschaft, Direktinvestitionen, Entwicklungsökonomie, Europäische Integration, Geoökonomie, Globalisierung, internationale Finanzmärkte, internationale Handels- und Finanzinstitutionen, internationale Makroökonomik, internationale Wirtschaftsentwicklung, internationaler Handel, internationaler Wettbewerb, multinationale Unternehmen,
Umweltfolgen von internationalen wirtschaftlichen Aktivitäten, volkswirtschaftliche Effekte von Migration, Wechselkursregime¸ bzw. ähnliche Themen.

Für die Bewertung der Einreichungen sind folgende Kriterien maßgebend:

Einreichungen senden Sie bitte an: fiw-pb@fiw.at

Einreichfrist verlängert: 15. November 2023

Download PDF (Deutsch)

Download PDF (Englisch)

Call for Proposals – Studie zur Analyse der Effekte der EU-Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland

Die Abteilung V/7 „Handels- sowie wettbewerbspolitische Analysen und Strategien“ des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft lädt zur Einsendung von Proposals für eine Studie ein:

Studienthema: Analyse der Effekte der EU-Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland

Deadline für Einreichungen: 29. Oktober 2023

Kontakt: POST.V7_22@bmaw.gv.at

Beilage 1: Terms of Reference – Analyse der Effekte der EU-Handelsabkommen mit Australien und Neuseeland

Beilage 2: Allgemeine Vertragsbedingungen für Werkverträge des BMAW

Für inhaltliche Fragen zu dieser Studienausschreibung wenden Sie sich bitte direkt an die angegebene Kontaktadresse des BMAW.

Volkswirtschaftliche Kosten der Russland-Sanktionen

Im Fokus dieses FIW-Spotlights steht die Wirkung von Sanktionen auf den Handel der Europäischen Union (EU) und Österreichs mit Russland. Die Verhängung von Sanktionen hat zu einem erheblichen Einbruch im Handel geführt, mit einem Rückgang der EU-Exporte nach Russland um 40% und der österreichischen Exporte um 19%. Bemerkenswert ist, dass Russland die wirtschaftlichen Kosten dieser Sanktionen trägt, wie durch einen signifikanten BIP-Verlust von dauerhaft 7,9% verdeutlicht wird. Diese Analyse zeigt die tiefgreifenden Auswirkungen von Sanktionen auf die internationalen Handelsbeziehungen sowie die wirtschaftlichen Einbußen des sanktionierten Landes, in diesem Fall Russland.

Der Überfall auf die Ukraine durch Russland im Februar 2022 hat weltweit zu einer Welle der Empörung geführt und eine komplexe Reaktion von Sanktionen und Gegensanktionen ausgelöst. Diese politischen Maßnahmen haben nicht nur direkte Auswirkungen auf die beteiligten Nationen, sondern senden auch Schockwellen durch die globale Wirtschaft, die weit über die unmittelbar betroffenen Länder hinausreichen. In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft noch mit den Nachwirkungen der COVID-19-Pandemie kämpft, ist das Verständnis der ökonomischen Kosten dieser Sanktionen von entscheidender Bedeutung.

Zu Beginn des Konflikts wurden zeitnah Studien veröffentlicht, die die wirtschaftlichen Kosten möglicher Sanktionen und Handelsstopps analysierten (Bachmann et al., 2022; Balma et al., 2022). Damals war es jedoch noch nicht möglich, den genauen Einfluss dieser Maßnahmen auf den Handel zu messen. Die Autor:innen konnten nur Annahmen zugrunde legen und Modelle erstellen. Siebzehn Monate später ist es nun möglich, die Veränderungen im Handelsvolumen zu messen und somit eine präzise Analyse der Kosten dieser Maßnahmen zu erstellen. Zunächst wirft der Autor einen Blick auf die Auswirkungen der Sanktionen auf den Handel, bevor in einem hypothetischen Szenario die makroökonomischen Folgen genauer untersucht werden.

Der Handel bricht ein

Die ergriffenen Sanktionen haben den Handel mit Russland erheblich beeinflusst. Die Exporte der EU nach Russland sind mit dem Inkrafttreten der ersten Sanktionspakete im Mai 2022 um über 60% eingebrochen. Anschließend haben sich die Exporte etwas erholt. Dennoch lagen sie im Januar 2023 noch immer 40% unterhalb des mehrjährigen Mittels. Diese aggregierten Zahlen auf EU-Ebene geben keinen Aufschluss über die Unterschiede in der Handelsdepression zwischen den Mitgliedsländern (siehe Grafik 1). Von den größten Mitgliedsländern gingen die Exporte von Frankreich und Deutschland nach Russland am stärksten zurück. Die deutschen Exporte lagen im Januar um 59%, die französischen um 48% unter dem langjährigen Durchschnitt.  Weniger stark betroffen ist der Handel Österreichs mit Russland. Österreichische Exporte sanken zunächst um 41% im Mai 2022. Anschließend erholten sie sich wieder und erreichten im Juli 2022 sogar ein Plus von 2%. Dennoch haben die Sanktionen auch für Österreich negative Auswirkungen auf den Handel. Im Januar 2023 lagen die Exporte noch 19% unterhalb des mehrjährigen Mittels. Die unterschiedlichen Handelseffekte zwischen den Mitgliedsländern zeigen, dass die Länder ganz verschiedene Güter mit Russland handeln. Dabei sind in jedem „Warenkorb“ unterschiedliche Anteile von sanktionierten Gütern und Dienstleistungen enthalten. So enthält der österreichische Export-Mix überdurchschnittlich viele nicht sanktionierte Warengruppen, wie z.B. Lebensmittel und pharmazeutische Produkte, wodurch der geringe Rückgang erklärt wird.

Um die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Sanktionen zu berechnen, müssen die verschiedenen „Warenkörbe“ der Länder im Handel mit Russland berücksichtigt werden. Dazu berechnet der Autor zunächst den Sanktionseffekt auf der Ebene verschiedener Produktgruppen mit der sogenannten „Gravitationsgleichung“ aus der internationalen Handelsliteratur (Head und Mayer, 2014). Anschließend verwendet der Autor diese Sanktionseffekte in einem Modell des internationalen Handels (Felbermayr et al., 2023). Hiermit kann der Autor das folgende „Was-wäre-wenn“-Szenario untersuchen: Wie würde die Welt aussehen, wenn es nur die Russlandsanktionen gibt, aber alle weiteren wirtschaftlichen Einflussfaktoren konstant gehalten werden? Da alle weiteren Einflussfaktoren ausgeschlossen werden – zum Beispiel andere Krisen oder politische Maßnahmen im letzten Jahr – kann der „pure“ Effekt der Sanktionen untersucht werden.

Russland ist der große Verlierer

Die Berechnungen zeigen, dass Russland eindeutig die Kosten der Sanktionen trägt (siehe Grafik 2). Das russische BIP sinkt durch die Sanktionen des Westens und russischer Gegensanktionen langfristig um 7,9%. Das heißt, allein die Sanktionen senken das Niveau der russischen Wirtschaft dauerhaft. Anders ausgedrückt: Ohne die Sanktionen wäre die russische Gesellschaft 7,9% „reicher“. Der Effekt bleibt auch dann bestehen, wenn die russische Wirtschaft in Zukunft wieder real wachsen sollte.

Im Gegensatz dazu fällt das BIP in der EU lediglich um 0,21%. Das entspricht einer Summe von 33 Mrd. Euro. Von den großen Mitgliedsländern ist Deutschland am stärksten betroffen. Das deutsche BIP sinkt um 0,26%. Das liegt vor allem an der Abhängigkeit von Energieimporten aus Russland. In Österreich sinkt das BIP um 0,2% und ist damit leicht unterhalb des EU Durchschnitts.

Österreichische Exporte sinken um 1,7%. Am stärksten sind pharmazeutische Produkte (-9,5%) und der Sonstige Fahrzeugbau (-8,6%) betroffen. Maschinen und Geräte (-4%) und Elektronisches Equipment (-2,2%) sind weitere exportstarke Sektoren, die negativ betroffen sind (siehe Grafik 3). Einige Sektoren profitieren allerdings auch von den Sanktionen. Wenig überraschend steigen die Exporte von Petroleum (11,9%) deutlich an. Österreich kann hier einen Teil der weggebrochenen russischen Exporte übernehmen. Die Herstellung von Petroleum bezieht sich auf die Verarbeitung von Rohöl. Österreich produziert kein Öl, sondern verarbeitet mehr importiertes Öl als vor den Sanktionen, als auch Petroleum direkt aus Russland in die EU importiert wurde. Weitere Sektoren, die von den Sanktionen profitieren, sind die Herstellung und das Gießen von Metallen und der Bergbau von Metallerzen, deren Exporte jeweils um 1,6% steigen.

Die Analyse der Russland-Sanktionen unterstreicht die komplexen und weitreichenden Auswirkungen politischer Maßnahmen auf die globale Wirtschaft. Während die Sanktionen Russland erheblich treffen, mit einem langfristigen BIP-Verlust von 7,9%, sind die Auswirkungen auf die EU insgesamt geringer, aber dennoch spürbar. Die österreichische Wirtschaft kann einen Teil der sanktionierten Handelsflüsse des Westens mit Russland übernehmen. Es reicht allerdings nicht aus, um die volkswirtschaftlichen Kosten für Österreich auszugleichen.

Autor:

Hendrik Mahlkow ist seit 2023 als Ökonom in der Forschungsgruppe „Industrie-, Innovations- und internationale Ökonomie“ am WIFO tätig. Er ist ein quantitativ arbeitender Außenhandelsökonom, der vor allem an umweltökonomischen und geopolitischen Fragestellungen interessiert es. Mit Hilfe großer empirisch geeichter Simulationsmodellen berechnet er sogenannte kontrafaktische Szenarien: „Was-Wenn-Überlegungen“, die erlauben, geplante Politikmaßnahmen zu evaluieren, oder bereits umgesetzte Maßnahmen ex post zu überprüfen. Er promoviert an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in „Quantitative Economics“. Zuletzt verbrachte er ein Forschungssemester an der Universität von Kalifornien in Berkeley.

References:

  1. Bachmann, Ruediger, David Baqaee, Christian Bayer, Moritz Kuhn, Andreas Löschel, Benjamin Moll, Andreas Peichl, Karen Pittel, and Moritz Schularick, „What if? The economic effects for Germany of a stop of energy imports from Russia,“ Technical Report, ECONtribute Policy Brief 2022.
  2. Balma, Lacina, Tobias Heidland, Sebastian Jävervall, Hendrik Mahlkow, Adamon N Mukasa, and Andinet Woldemichael, „Long-run impacts of the conflict in Ukraine on food security in Africa,“ Technical Report, Kiel Policy Brief 2022.
  3. Felbermayr, Gabriel, Hendrik Mahlkow, and Alexander Sandkamp, „Cutting through the value chain: The long-run effects of decoupling the East from the West,“ Empirica, 2023, 50 (1), 75–108.
  4. Head, Keith and Thierry Mayer, „Gravity equations: Workhorse, toolkit, and cookbook,“ in „Handbook of international economics,“ Vol. 4, Elsevier, 2014, pp. 131–195.

Foto von Viktor Hesse auf Unsplash

Frauen in der österreichischen Außenwirtschaft

Frauen in exportorientierten Unternehmen

Trotz der verfassungsmäßigen Absicherung der Gleichstellung von Frauen und Männern und des Konsensus, diese zu erreichen, bestehen in Österreich nach wie vor große Unterschiede in soziökonomischen Merkmalen. Diese betreffen etwa die Erwerbsbeteiligung als auch die Höhe von Löhnen und Gehälter (Böheim, Fink & Zulehner, 2023). Diese Unterschiede können zum Teil durch Faktoren wie die ungleiche Verteilung von Familienarbeit zwischen den Geschlechtern erklärt werden. Dennoch bleibt eine Restgröße, die auf ein gewisse „Diskriminierung“ von Frauen im Erwerbsleben und am Arbeitsmarkt hinweist.

Da Frauen auf dem Arbeitsmarkt häufig weniger flexibel sind, kann die Globalisierung das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern noch verschärfen. Internationalisierte Unternehmen könnten die Flexibilität der Arbeitskräfte höher wertschätzen als nur im Inland tätige Unternehmen, was für Frauen aufgrund von Care-Arbeit oftmals ein Nachteil ist. In der Literatur wird auf den stärkeren internationalen Wettbewerb verwiesen, weshalb Exporteure von ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oftmals ein größeres Maß an Engagement und mehr Flexibilität verlangen (Kvande, 2009, Bøler, Javorcik & Ulltveit-Moe, 2018).

Die Internationalisierung kann jedoch auch ein Faktor für die Verringerung des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen sein. Eine stärkere Beteiligung am internationalen Handel schafft Wachstumspotentiale, die eine höhere Nachfrage – auch nach Frauen am Arbeitsmarkt – generieren. Dies könnte zu einer stärkeren Erwerbsbeteiligung von Frauen führen (Oostendorp, 2009). Dieses Spotlight gibt einen ersten Eindruck über die Arbeitsmarktpartizipation von Frauen in international tätigen österreichischen Unternehmen auf Basis von erstmalig für die wissenschaftliche Forschung verfügbaren Registerdaten der amtlichen Statistik von 2013-2019.

Höhere Flexibilitätsanforderungen bei mehr Flexibilität…

Der Frauenanteil in österreichischen Unternehmen ist im Dienstleistungsbereich deutlich höher als in der Industrie oder im Baugewerbe. Dies gilt sowohl für exportierende als auch für nur im Inland tätige Unternehmen. Unter Berücksichtigung von Branchen-, Größen- und Produktivitätsunterschieden zwischen Unternehmen zeigt sich, dass exportierende Unternehmen im Durchschnitt einen rund 3.5 Prozentpunkte höheren Frauenanteil aufweisen als vergleichbare Unternehmen, die nur am heimischen Markt aktiv sind. Zu ähnlichen Ergebnisse kommt auch eine kürzlich veröffentlichte Studie der OECD (2023) für ausländische Direktinvestitionen in Österreich. Österreichische Exportunternehmen mit Handelspartnern in weit entfernten Ländern weisen einen um etwas 6-8% höheren Frauenanteil auf (siehe Abbildung 1). Es bestehen aufgrund von Zeitzonendifferenzen höhere Flexibilitätsanforderungen, um die Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail sowie technische Unterstützung und Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Abbildung 1: Frauenanteil in exportierenden Unternehmen (in %)

Anmerkung: Durchschnittlicher Frauenanteil nach Unternehmenstyp, 2013-2019.  „+/- 4h Exporter“ umfassen alle Unternehmen, mit überwiegenden Exportdestinationen mit einer Zeitzonendifferenz von mindestens 4 Stunden. Ausreißer ausgeschlossen.
Quelle: Austrian Micro Data Center, Statistik Austria, 2013-2019. WIFO Darstellung.

Abbildung 2: Anteil an Teilzeitbeschäftigen (in %)

Anmerkung: Durchschnittliche Teilzeitbeschäftigungsquote nach Unternehmenstyp, 2013-2019. „+/- 4h Exporter“ umfassen alle Unternehmen, mit überwiegenden Exportdestinationen mit einer Zeitzonendifferenz von mindestens 4 Stunden. Ausreißer ausgeschlossen.
Quelle: Austrian Micro Data Center, Statistik Austria, 2013-2019. WIFO Darstellung.

Bei der Teilzeitbeschäftigung zeigt sich, dass mit ansteigenden Flexibilitätsanforderungen von den Beschäftigten die Teilzeitquote sinkt. Die gilt insbesondere für Frauen (siehe Abbildung 2). Bei Zeitzonenunterschieden von mehr als 4 Stunden ist es bei einer durchschnittlicher täglicher Teilzeitarbeitszeit von 4 Stunden schwierig, überschneidende Arbeitszeiten mit entfernten Geschäftspartnern zu finden. Daraus ergibt sich, dass in international aktiven Unternehmen mehr Frauen in Vollzeit beschäftigt sind. Dies gilt auch für Mütter mit Kindern im Vorschulalter. So können Frauen ihre Qualifikationen und Kompetenzen besser einbringen und Berufserfahrungen aufbauen.

Demgegenüber steigt die Teilzeitquote der Männer in exportorientierenden Unternehmen – wenn auch auf sehr niedrigem Niveau. Dies deutet darauf hin, dass Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, zwar höhere Flexibilitätsanforderungen haben, gleichzeitig aber auch mehr Flexibilität ermöglichen, etwa bei den Arbeitsbedingungen, der Arbeitszeitgestaltung oder der individuellen Arbeitsorganisation

  

… und höheren Löhnen für Frauen in Österreich

Abbildung 3: Vollzeitlöhne für Frauen in Österreich

Anmerkung: Durchschnittliche unbereinigte Vollzeitlöhne von 2013-2019 nach Unternehmenstypen.Ausreißer ausgeschlossen.
Quelle: Austrian Micro Data Center, Statistik Austria, 2013-2019. WIFO Darstellung.

Auch beim Einkommen profitieren Frauen von höheren Vollzeitlöhnen und -gehältern in exportorientierten Unternehmen. Als Vergleich werden Unternehmen herangezogen, die ausschließlich am heimischen Markt aktiv sind (siehe Abbildung 3). Allerdings ist der Lohnaufschlag in exportierenden Unternehmen höher für Männer als für Frauen, wodurch sich der geschlechtsspezifische, unbereinigte Lohnunterschied vergrößert. Im Durchschnitt verdienten Frauen über den Zeithorizont von 2013-2019 rund 21 Prozent weniger als Männer in exportierenden Unternehmen, während Frauen in nur am inländischen Markt aktiven Unternehmen „nur“ 18 Prozent weniger als Männer verdienten. 

Somit zeigt sich für die österreichischen Exporteure, dass sie – trotz hoher Flexibilitätsanforderungen an ihre Beschäftigten – ihrerseits den Beschäftigten ebenfalls mehr Flexibilität zugestehen. Die höheren zeitlichen Flexibilitätsanforderungen der exportierenden Unternehmen gehen auch mit höheren Löhnen und Gehältern einher. Allerdings werden Männer davon stärker begünstigt.

Detaillierte Zusammenhänge zwischen der Beschäftigung von Frauen und geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden werden im Rahmen des FIW-Projekts „Frauen in der österreichischen Außenwirtschaft“ von Birgit Meyer, Klaus Friesenbichler und Harald Oberhofer auf Basis von Mikrodaten des Austria Mirco Data Center der Statistik Austria analysiert. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte 2023 als FIW-Studie publiziert

Referenzen:

Bøler, E. A.,  B. Javorcik, und K. H. Ulltveit-Moe (2018). Working across Time Zones: Exporters and the Gender Wage Gap. Journal of International Economics 111 (1. März 2018): 122–33.

Böheim, R, M. Fink, und C. Zulehner (2023). Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Österreich von 2005 bis 2021. WIFO Research Briefs 4/2023.

Kvande, E. (2009). Work-life balance for fathers in globalized knowledge work. Some insights from the Norwegian context. Gender, Work & Organization, 16(1), 58-72.

Oostendorp, R. H. (2009). Globalization and the Gender Wage Gap. The World Bank Economic Review, 23(1), 141-161.

OECD (2023). FDI Qualities Review of Austria: Closing Gender Gaps and Empowering Women. OECD Publishing Paris.

Autor:in: Birgit Meyer (WIFO)

ist Ökonomin und in der Forschungsgruppe „Industrieökonomie, Innovation und internationaler Wettbewerb“ tätig. Zudem ist sie Lektorin am Institut für Internationale Wirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien und External Research Fellow am Kieler Zentrum für Globalisierung (KCG). Sie hat einen Abschluss in Volkswirtschaft von der Universität Bonn und promovierte 2016 an der Universität Kiel. Für ihre Dissertation erhielt sie 2017 den Fakultätspreis für herausragende Promotionen der Universität Kiel. Während ihrer Promotion war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kiel Institut für Weltwirtschaft und der Universität Kiel. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Analyse der Effekte der Globalisierung auf Innovation, Investitionen und Entwicklung. Hier fokussiert sie sich insbesondere auf die Analyse der Effekte von Auslandsdirektinvestitionen, multinationaler Unternehmen und internationalem Handel auf Unternehmens- und Branchenebene. Dazu hat sie mehrere Projekte durchgeführt, u. a. für Einrichtungen wie der Weltbank oder UNIDO. Eine Vielzahl ihrer Arbeiten wurden in akademischen Journals veröffentlicht, darunter The World Economy, World Development und Review of World Economics. Sie hält Vorträge auf zahlreichen Konferenzen und Workshops. Bei der Jahrestagung der Nationalökonomischen Gesellschaft (NOeG) 2019 erhielt sie den Young Economist Award für ihre Forschungsarbeit.

Veröffentlicht am 17.3.2023.

Call for Papers: 6. WIEN-Workshop

Organisation: Pol Antràs (Harvard), Alejandro Cuñat (University of Vienna), and Kalina Manova (UCL)

Keynote-Lectures: Swati Dhingra (LSE) und Marc J. Melitz (Harvard)

Im Anschluss an die ersten fünf Ausgaben von WIEN wird die Universität Wien erneut ein zweitägiges Treffen veranstalten, das Forscher mit Interesse an internationaler Wirtschaft, globalen Wertschöpfungsketten und Wirtschaftsgeographie zusammenbringen wird.

Der Workshop wird in der wunderschönen Sky-Lounge der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Statistik der Universität Wien mit Blick auf das Stadtzentrum stattfinden.

Um in das Programm aufgenommen zu werden, müssen die Beiträge im PDF-Format bis Freitag, 10. März 2023, an economics@univie.ac.at eingereicht werden. Die für die Konferenz ausgewählten Autoren werden Ende März benachrichtigt.

Die Organisatoren sind besonders daran interessiert, Beiträge von jungen Wissenschaftlern, einschließlich Doktoranden und Forschern, die gerade ihre Promotion abgeschlossen haben, zu erhalten. In diesem Sinne würden wir es begrüßen, wenn Sie diese Aufforderung zur Einreichung von Beiträgen an Ihre jüngeren Kollegen, ehemaligen Studenten und derzeitigen Doktoranden weitergeben könnten. Wie in den vergangenen Jahren werden wir bei der Auswahl der Referenten aktiv auf Vielfalt achten.

Den Teilnehmern wird eine Unterkunft im Zentrum von Wien zur Verfügung gestellt, und die Flugkosten für die Referenten werden im Rahmen bestimmter Budgetvorgaben ebenfalls erstattet. Die Konferenz wird großzügig von der Heinrich Graph Hardegg’sche Stiftung, dem FIW, der Universität Wien, dem VGSE, dem wiiw und dem Europäischen Forschungsrat im Rahmen des EU-Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 (Grant Agreement 724880) unterstützt.

Förderpreis für Frauen in der Wirtschaftsforschung: FIW-Award für Masterarbeiten im Bereich International Economics verliehen

Als Höhepunkt des FIW-Workshops „Women in International Economics“ überreichten Generalsekräterin Eval Landrichtinger (BMAW) und FIW-Projektleiter Univ.-Prof. Harald Oberhofer den FIW-Award für Masterarbeiten im Bereich International Economics an die beiden Preisträgerinnen Nicole Sattler und Johanna Treiber.

Im Rahmen des „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ wird der „FIW Award für Frauen in der Wirschaftsforschung“ jährlich als Förderung für exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen im Forschungsbereich International Economics ausgeschrieben.

Der diesjährige Preis richtete sich an qualifizierte Wissenschafterinnen, die eine Diplom- oder Masterarbeit an einer österreichischen Universität im Bereich „International Economics“ verfasst haben oder an österreichische Staatsbürgerinnen, die ihre Masterarbeit an einer Universität im Ausland verfasst haben

Die Höhe des Förderpreises beträgt insgesamt € 5.000, in diesem Jahr erhalten die beiden Preisträgerinnen jeweils 2.500€.

Ausgezeichnet wurden:

Nicole Sattler (BMF) für die Master-Arbeit „The impact of the AfCFTA on the EU-Africa trade relation“

Johanna Treiber (Deutsche Bundesbank) für die Master-Arbeit „Labour Laws and FDI Productivity Spillovers – Analysis of the Labour Mobility Channel“.

Harald Oberhofer, Johanna Treiber, Nicole Sattler, Eva Landrichtinger (v.l.n.r.)
© Dolenc/BMAW

It is important to study how other countries trade policies affects us. We often are only concerned with our trade policies. What others do matters! This is what we know from trade theory. Economic relationships with African economies will be crucial for tackling main challenges like climate change. Need for raw materials such a rare earths for green technologies. Technology transfer from EU to Africa crucial for development of global CO2-emmission.This is an excellent Master thesis, very well conducted and timely.

Harald Oberhofer zur Begründung der Verleihung des FIW-Awards 2022 an Nicole Sattler.

This thesis applies state of the art econometric methods for studying an important question in the International Economics, namely on potentially positive effects of FDI for the host countries.The findings are relevant for understanding potential heterogeneity in positive FDI spillover effects for productivity also contributing to the policy debate on the role of host market institutions for the effects of FDI.This is important to our understanding of potential effects of technology transfer that might become relevant with respect to green technologies.

Harald Oberhofer zur Begründung der Verleihung des FIW-Awards 2022 an Johanna Treiber.